Ich habe gerade mal wieder festgestellt, dass ich kein guter Beifahrer bin. Dabei fahre ich leidenschaftlich gern Auto – vorausgesetzt ich sitze am Steuer und darf dabei schimpfen wie ein Rohrspatz.

In diesem Fall gehört Autofahren zu den entspannendsten Tätigkeiten, die ich mir denken kann. Besonders beliebt: Nächtliche Fahrten auf der Autobahn, mit passender Musik und dem Mond im Visier.
Unter anderem mache ich meinen Fahrlehrer dafür verantwortlich, der mich bereits in meiner ersten Fahrstunde auf die Autobahn gescheucht hat, weil er nicht auf die Uhrzeit geachtet hatte und schnell zurück zur Fahrschule musste.
Ich hatte panische Angst, und allein der kurze Moment auf der Beschleunigungsspur kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Ich sah die aus meiner Perspektive gigantischen LKWs zu meiner Linken vorbeirauschen, zum Greifen nah, und gab einfach nur Gas, in der Hoffnung auf ein Wunder. Viel mehr blieb mir auch gar nicht übrig, schließlich war ich an sich schon völlig damit überfordert, gleichzeitig zu schalten, zu lenken, Gas zu geben, zu bremsen und das Umfeld im Auge zu behalten. Es mangelte mir schlichtweg an Koordinationsvermögen, was ich aber in der ersten Fahrstunde für völlig normal halte.

Natürlich war ich zuvor auch schon mit Freunden auf einem Idiotenhügel gewesen – ein Ausflug, der ein eher schnelles Ende fand, nachdem ich meinem damaligen Freund einen Reifen an der Bordsteinkante ruiniert hatte. Die Spur war aber auch eng, und das auf einem Verkehrsübungsplatz, also wirklich. Dementsprechend war ich in der ersten Fahrstunde wirklich noch blutiger Anfänger und umso ängstlicher.

Aber dank meines Fahrlehrers, den ich bis heute für den besten seiner Art halte, habe ich diese Angst sehr schnell überwunden und auch bis heute am Steuer nie wieder empfunden – außer man hat mich auf den Beifahrersitz verbannt.

Da gehöre ich zu der wirklich unangenehmen Sorte, die sich verkrampft, regelmäßig den Fußraum auf der Suche nach einer imaginären Bremse mit Tritten malträtiert, die Fingernägel in das Sitzpolster bohrt und zu allem Überfluss noch mit guten Ratschlägen glänzt.
Als Beifahrer könnte ich mich selbst nicht leiden, ich würde mich wahrscheinlich sogar regelmäßig am Straßenrand aussetzen. Zum Glück habe ich es aber immer mit so toleranten und geduldigen Mitmenschen zu tun, dass mir dieses Schicksal bislang erspart geblieben ist.

Und aus diesem Grund, weil ich so dankbar und mir meiner Unausstehlichkeit in diesem Kontext bewusst bin, möchte ich an dieser Stelle Besserung geloben. Ich werde mich wohl auch in Zukunft weiter auf dem Beifahrersitz verkrampfen, einfach weil ich das nur bedingt steuern kann, werde mich aber bemühen, dies möglichst unauffällig zu tun und ansonsten die Klappe zu halten. Immerhin ein guter Vorsatz…

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