“Da geht es ja um [zegs]“, (Lautschrift muss sein, zwecks Authentizität) sagt die ältere Dame zu mir und drückt mir mit mehr als angewidertem Gesichtsausdruck ein Buch in die Hand, “das muss ich umtauschen. [zegs], also wirklich!” Geschockt nehme ich ihr das Buch ab, um zu schauen, welcher Schweinskram sie so aus der Fassung gebracht hat. Ah ja, ein Aufklärungsbuch. Und von eben jener Kundin bestellt, da wir es nicht auf Lager hatten.
Nun sind solche Bestellungen (sofern sie nicht “zur Ansicht” sind) verbindlich, auch wenn das nur in den seltensten Fällen ein Problem ist und wir diese Bücher meist trotzdem umtauschen. Aber ein kleiner Wink kann ja nicht schaden, weshalb ich die Kundin frage, ob es denn nicht der Titel gewesen sei, den sie haben wollte. Sogleich zückt sie einen Verlagsprospekt und zeigt mir besagtes Buch mit einem dicken Kreuz daneben. “Das hätte mir doch jemand sagen müssen, dass da [zegs] drin ist!”
Noch griene ich in mich hinein und frage mich, was sie bei einem Aufklärungsbuch erwartet hat. “Das kann man doch keiner 12-jährigen geben, mit [zegs] drin!” Da sie sich immer noch an dem Verlagsprospekt festhält, zeige ich ihr die Altersangabe des Verlages: “Ab 12″.
Diese Altersangaben sind ja immer so eine Sache und meistens gerade mal als Richtlinie zu bewerten, was aber die wenigsten Kunden wirklich interessiert – wenn es denn so gedruckt steht, ist es automatisch das Nonplusultra, ungeachtet der Tatsache, dass man sicherlich nicht alle Kinder und Jugendliche über einen Kamm scheren kann.
In diesem speziellen Fall aber scheitert mein Plan, mich über diesen Hinweis aus der Affäre zu ziehen: “Ich habe mir das Buch angeguckt, das ist voller [zegs], das kann ich doch nicht einem 12-jährigen Mädchen zu lesen geben!” – “Wollten Sie denn kein Aufklärungsbuch?” – “Doch, ja, aber doch nicht mit [zegs]!” Ich kann mich nicht länger zurückhalten und empfehle ihr, doch mal einen Blick in die Nachrichten zu werfen, wie viele 12-jährige regelmäßig Mutter werden, weil sie nicht ordentlich aufgeklärt worden sind. Das ist vielleicht stark vereinfacht, trifft aber wohl den Kern der Sache.
“Natürlich ist das Mädchen schon von seinen Eltern aufgeklärt worden!” Ohne [zegs]? Ich denke an Bienchen und Blümchen und beschließe, ab sofort meinen Mund zu halten, damit die Kundin nicht völlig den Glauben an die Menschheit verliert und mich womöglich für verdorben hält.
Also tausche ich ihr das böse Buch gegen ein anderes um – gegen einen Pubertätsroman, den sie im gleichen Verlagsprospekt markiert hat und in dem es um Themen wie Jungs und die erste Liebe geht. Ich bin mal gespannt, wann sie den umtauscht – oder an die Seite legt, bis das Mädchen volljährig ist.
Um es mit den Worten meines Biologen zu formulieren: “Na ja, mit [zegs] Leuten fände ich das auch ziemlich schmutzig.”