An dieser Stelle ein kleiner, wirklich freundlich gemeinter Rat für alle die, die noch immer auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken sind: Finger weg von dem aktuellen Buch des Herrn Kerkeling! Nichts gegen das Buch (auch wenn ich es nicht gelesen habe), aber so, wie ich die Lage derzeit einschätze, wird das Buch eh schon in mindestens dreifacher Ausfertigung unter jedem Weihnachtsbaum zu finden sein. Und das ist wahrscheinlich noch untertrieben.
Und auch wenn das urplötzlich so gestiegene Interesse am Jakobsweg wirklich beeindruckend ist – es ist nicht das einzige lesenwerte Buch der Saison. Also bitte, ein wenig mehr Vielfalt wäre wünschenswert, auch im Namen derjenigen, die am Sonntag nicht mehrere Male das gleiche Geschenk auspacken wollen.

Und gleich noch ein Hinweis, weil’s so schön ist: Liebe Kinder und Jugendliche, es ist sehr lobenswert, wenn ihr eurer Oma ein Buch zu Weihnachten schenken wollt. Wirklich, das freut mich. Trotzdem: “Ich brauche ein Buch für meine Oma, die ist 60, was lesen Frauen in dem Alter denn so?” – Ein paar Zusatzinformationen wären hilfreich. Auch wenn es in einem gewissen Alter “in” zu sein scheint, im Einheitslook aufzutreten und bloß nicht aus der Masse hervorzustechen – der Lesegeschmack lässt sich nicht allein (wenn überhaupt) am Alter festmachen. Und der durchschnittliche Buchhändler kann auch leider nicht hellsehen. Gut, man könnte es sich einfach machen und euch das Buch vom Kerkeling in die Hand drücken, aber das bekommt die Oma ja eh schon von mindestens drei anderen Leuten geschenkt (und euer Budget sprengt es sicherlich auch).
Also am besten einfach mal die Eltern, Tanten und Onkel fragen – oder vielleicht selbst überlegen, was die Oma für Interessen hat. Und (fast) jede Oma hat irgendwelche Interessen. Selbstverständlich wird euch kein Buchhändler mit leeren Händen gehen lassen, irgendein nettes, unterhaltsames Buch findet sich immer, aber man könnte die Oma ja auch mal positiv überraschen. Nur mal so am Rande.

5 Kommentare zu “Endspurt”

  1. marcc schreibt:

    “Ich brauche ein Buch für meine Oma, die ist 60, was lesen Frauen in dem Alter denn so?â€? – Ein paar Zusatzinformationen wären hilfreich. er Lesegeschmack lässt sich nicht allein (wenn überhaupt) am Alter festmachen.

    Oh ja. Meiner Mutter kann man auch Fantasy und Science Fiction-Bücher schenken. Und sie guckt gerne auch neuere Filme. Sie holt sich die DVDs. Meine eine Oma, hätte das mit 60 (also vor gut 25 Jahren) nicht gemacht. Deren neuestes technisches gerät war ein Kassettenrekorder. Plattenspieler? Wieso? Sie hatten ja auch keine Schallplatten.

  2. biochomiker schreibt:

    Kaum ist man mal drei Tage nicht da, schon wird umgeräumt…

  3. Bina schreibt:

    Umgeräumt? Wieso umgeräumt? Und was heißt hier drei Tage – wir mussten viel länger Verzicht üben! :wink:

  4. biochomiker schreibt:

    So richtig da, bin ich ja immer noch nicht. Aber so kurz vor Weihnachten ist es dann doch ruhig. Es gehen kaum noch Kundenanfragen ein. Da kann man durchaus auch mal ein Blick nach klein Bloggersdorf wagen.

  5. Tobias K. schreibt:

    Ohja… Ich erinnere mich an letztes Jahr, am 24. als ein Kunde mit einer Papphülle einer 3CD-Kollektion stürmte, er selber sehr elegant angezogen, älterer Jahrgang, irgendwie “was besseres”. Knallte die Hülle auf den Tresen und sagte “Ich brauch das jetzt sofort”. Wir reagierten prompt, fischten die passende Kollektion aus dem Ständer und versuchten höflich zu bleiben als wir die 4,99 kassierten. Was angesichts des dicken Portemonaies und der Vorstellung, wie er seiner Mutter/Frau/Geliebten ne Weihnachtsramschsammlung schenkte nicht ganz einfach war.

    Zu Büchern: Wer mein Blog liest kennt meine Sympathien für Sven Böttcher und mag Werbung argwöhnen. Aber das Buch, das ich tatsächlich zur Zeit jedem schenken möchte ist das “Kuckuckskind der Liebe”, das er mit seiner Frau zusammen geschrieben hat. Es geht verkürzt gesagt um eine junge Frau, die weiß, dass ihr Mann keine Kinder zeugen kann, ihm das aber nicht mitteilen möchte, weil sie weiß, dass ihn das zu sehr erschüttern würde. Ihre Freundin rät ihr einfach “heimlich” mit einem anderen Mann ein Kind zu zeugen und den dann wieder in den Wind zu schießen. Die Figuren sind sehr
    prägnant (Die Freundin ist unvergesslich *g*) und alle Beteiligten sind in ihren Motiven “für sich” sehr verständlich, was in Kombination die tragischen Verstrickungen so schön schmerzhaft macht. Und dabei atmet das ganze Buch eine unausgeschrieben-deutliche Liebe zu Menschen, mit ihren Wünschen, Rücksichten, Unaufmerksamkeiten, Hoffnungen, Unglücken – kurz: zu all dem Menschlichen, was uns eben zu solchen macht. Und die Darstellungen der Frauenwelt waren erfrischend realistisch. Ich habs jedenfalls in einer Nacht durchgelesen und immer wieder zurückgeblättert oder leise den Text mitgeflüstert, weil die Sätze so schön schilleren und blitzen. Ich frag mich immerwieder, warum den kaum jemand kennt…

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