Archiv fü April, 2007

Ein Stöckchen von Tobias, bei dem ich mir zunächst nicht sicher war, ob es auch wirklich für mich bestimmt ist. “Katzen, Essen, Bücher” – was diese Kombination angeht, habe ich wohl etliche Mitstreiter. Und trotzdem habe ich beherzt zugegriffen, und zu Recht, wie sich glücklicherweise herausgestellt hat (nicht dass ich den Anschein erwecke, gierig zu sein).
Die Herausforderung bei diesem Stöckchen: Die gewünschten Fänger mit drei Wörtern so umschreiben, dass diese sich (hoffentlich) erkennen und zugreifen. Nun denn:

1. Optimismus, Schuhtick, Orakel
2. Fahrrad, Tapas, Tanzlust

Ich befürchte, meine Kreativität hat unter der intensiven Sonneneinstrahlung gelitten, dafür sollte es aber umso leichter sein…

Bei dem angeblich ach so frischen Spargel, von dem ich vorgestern fast die Hälfte direkt entsorgen konnte, habe ich mich noch zurückgehalten, gestern war es aber dann um meine Beherrschung geschehen.

“Frisch für Sie abgepackt” hieß es auf dem Etikett, “Mindestens haltbar bis zum 04.05.”. Fein, ein leckeres Käsebrot ist genau das Richtige, dachte ich mir, bis ich daheim die Verpackung abmachte und mir eine Scheibe Kräuter-Schnittkäse aus der Mitte friemelte – und sie gleich wieder fallen ließ, als ich die dicken Schimmelflecken sah. Bah. Überall weiße Flecken, und auch am Rand dicker Flaum, gekrönt von blau-grünen Stippen.
Weil es das ja nun nicht sein kann, habe ich mich direkt wieder ins Auto gesetzt und den Supermarkt angesteuert. Die Reaktion an der Käsetheke, als ich der Verkäuferin den Käse mit der Bitte um Reklamation zeige: “Haben Sie das denn nicht vorher gesehen?” Vorwurfsvoll, versteht sich. Ich bin kurzzeitig irritiert, überlege, ob ich etwa meiner Pflicht nicht nachgekommen bin, jedes Lebensmittel genauestens unter die Lupe zu nehmen, bevor ich es erwerbe. Aber nein, der Käse war ja auch eingeschweißt und die schimmelige Scheibe dezent unter den anderen versteckt.

Auf meine Erklärung hin wechselt die Verkäuferin die Strategie, reißt die Augen verwunert auf und haucht: “Aber das ist doch nur Schimmel, der tut Ihnen doch nichts!”
Mir fehlen die Worte, ich mache ebenfalls große Augen, aber mehr aus Fassungslosigkeit. Weil sie mir ja nichts erzählen will und überhaupt, hält sie mir zur Unterstützung ihrer These ein laminiertes Papptäfelchen unter die Nase, zum Thema” Häufige Kundenfragen” und ob den Schimmel ungesund sei. Natürlich nicht. Schimmel wird völlig überbewertet. Auch ohne meinen angehenden Toxikologen zu Rate ziehen zu müssen, reicht es mir an dem Punkt. Wenn ich Schimmelkäse haben will, kaufe ich den, aber an den ach so frischen Schnittkäse gehört nunmal keiner. Punkt.
Nächster Beschwichtigungsversuch: “Ja, wissen Sie, wir schneiden hier täglich so viel Käse, da kann es schonmal passieren, dass die Kollegin das Messer zwischendurch nicht sauber macht, und wenn dann Schimmelsporen da dran sind, dann verbreiten die sich eben. Aber das macht doch nichts.” Hmpf. Ich beende die Diskussion mit der Bitte um eine Gutschrift für die Kasse – das Angebot, ersatzweise einen anderen Schnittkäse zu nehmen, lehne ich mit dem Gedanken an die sporenverseuchte Schneidemaschine dankend ab. Der Appetit ist mir mehr als gründlich vergangen, zumal ich schon oft genug Schimmelkäse gegessen habe und behaupte, den Unterschied zwischen gewolltem und ungewolltem Schimmel durchaus erkennen zu können.

Fazit: Von dieser Käsetheke kaufe ich so schnell nichts wieder, zumindest nicht, solange die ihre fehlenden Hygienemaßnahmen nicht mal überdenken. Gammelfleisch war gestern, heute im Angebot: Gammelkäse.

Entblößt

23.04.07

Nein, das ist nicht indiskret, das ist schlichtweg des Katers Graf Pornos Lieblingsstellung. Und da er selbst ja offensichtlich keinerlei Wert auf Intimsphäre zu legen scheint, möchte ich dies nutzen und den Blick des geneigten Lesers auf eben jene Stelle lenken, die mir solche Sorgen bereitet – den rosa Schweinebauch.

Dabei handelt es sich nicht um kreisrunden Haarausfall, sondern vielmehr um ein Überbleibsel jener doch sehr gewagten Aktion. Offenbar hat langfristig gesehen nicht nur der Akkurasierer den Geist aufgegeben. Womit haben wir es also zu tun? Ein Fall von spontaner Fellwurzelverödung, ausgelöst durch das schwere Trauma? Die bewusste Produktion fellwachstumshemmender Hormone, um solche Aktionen zukünftig zu vermeiden?
Wie auch immer – seiner Lebensfreude scheint es bislang keinen Abbruch getan zu haben, und auch beim täglichen Sonnenbad fehlt das Fell nicht wirklich. Und unter Komplexen scheint er wohl auch nicht zu leiden. Trotzdem – ein Rest von schlechtem Gewissen bleibt…

snukems

. . .

21.04.07

Mitte 20 Ende 20

Vorfreude

19.04.07

Am Telefon: “Ich habe gerade die Päckchen für Deinen Geburtstag fertig gemacht. Jetzt bin ich so erschöpft, dass ich direkt ins Bett muss.”

Ich hab Dich auch lieb, Mama! *g*

Gerade fällt mir auf, dass mein Sushi-Erfahrungsbericht mehr als überfällig ist. Dumm nur, dass ich schon beim bloßen Gedanken daran anfange zu sabbern – das will ich der Tastatur nur ungern zumuten. Es hat mich wider Erwarten voll erwischt, weshalb ich es auch kaum noch erwarten kann, am Samstag das nächste Mal Sushi zu essen – diesmal wesentlich entspannter und ohne mulmiges Gefühl im Bauch.
Und wenn meine Gelüste dann erstmal befriedigt sind, werde ich auch hoffentlich davon berichten können, ohne gleich alles unter Wasser zu setzen.

Und das noch vor dem ersten Kaffee. Während ich hier in der Diele (alias Arbeitszimmer) sitze und mich angestrengt bemühe, die Augen wenigstens so weit geöffnet zu halten, dass ich mich durch meinen Feedreader kämpfen kann, höre ich es auf einmal. Ein Kratzen. Von der Wohnungstür direkt hinter mir. Und nein, es sind nicht die Katzen, es kommt definitiv von der anderen Seite – aus dem Treppenhaus.
Ich erstarre, gebe keinen Mucks von mir, warte. Und wieder – ein Kratzen, als versuche jemand, mit dem Schlüssel das Schlüsselloch zu treffen. Auf Zehenspitzen an den Türspion: Zwei Handwerker mit Ausrüstung.
Sofort geistern mir Horrorstories durch den Kopf – ist die Montur etwa nur Tarnung? Immerhin ist während meiner Kindheit mal auf die gleiche Art und Weise bei einem Nachbarn eingebrochen worden. Angst. Nie ist der Biologe da, wenn man ihn mal braucht…

Na gut, die Angst ist immer noch da, auch wenn sich die Handwerker inzwischen für die leerstehende Wohnung gegenüber entschieden haben. Die Wohnung, die von mir aus ruhig noch etwas länger hätte leer bleiben können, die Wohnung, die nun offensichtlich renoviert werden soll und die komplett gefliest ist.
Alles, aber bitte bloß nicht die Fliesen rauskloppen!

Unglaublich. Seitdem ich gestern meinte, mal eben meinen Mobilfunkvertrag verlängern lassen zu müssen, habe ich Migräne. Aber vom Feinsten. Was auch kein Wunder ist, nachdem der Schmierlappen in dem Laden über eine Stunde dafür brauchte, von wegen “mehr Leistung für das gleiche Geld”, “Vertragsoptimierung” undsoweiter undsofort…

Aber zur Belohnung gab es immerhin endlich wieder ein Nokia, auch wenn ich mich noch gar nicht näher mit meinem neuen Spielzeug auseinandersetzen konnte – wie auch, wenn ich kaum den Kopf anheben konnte, ohne aufjaulen zu müssen. Also hab ich mir weiter die Kühlkompresse an die tuckernde Stirn gedrückt und mich in dem Optimismus gesuhlt, dass das Drama heute Schnee von gestern sein würde.

Das Aufstehen heute morgen hat mich eines Besseren belehrt. Aber… Tadaaah, ich habe das ultimate Heilmittel entdeckt. Nein, keine Schmerzmittel, auch nicht mein geliebtes Pfefferminzöl, nein – der Balkon!
Eine Stunde lang die nackten Füße auf die Balkonbrüstung gelegt, den etwas merkwürdig klingelnden Vögeln gelauscht (ich brauche wohl tatsächlich mal so eine Vogelgesangsbestimmungs-CD), die emsigen Bienen beobachtet und schließlich ein wunderbares Buch fertig gelesen, das sich beim zweiten Mal sogar als noch schöner als beim ersten Mal entpuppte… Und der Kopfschmerz ist weg!

Als wäre das nicht genug, habe ich sogar noch Farbe bekommen – ja, ich, das Käsemännchenweibchen vom Dienst. Und wenn die Sommersprossen weiterhin so dicht an dicht sprießen, könnte man mich bald vielleicht sogar als zart gebräunt bezeichnen – die Masse macht’s.

Und weil mir gerade so unglaublich sommerlich zumute ist, hier noch das zwar verfrühte, aber trotzdem zu meiner Stimmung passende Zitat aus besagtem wunderbaren Buch (Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi):

Wie schön doch der Sommer ist, so vollendet und ewig! Die Mittsommernachtssonne über dem Waldrand, leuchtend rote Nachtwolken. Vollständige Windstille. Die Wasseroberfläche spiegelblank, nicht eine Kräuselung. Ein plötzlicher Wasserkreisel, der sich langsam in der gewaltigen Stimme verbreitet. Und dann, mitten im Schweigen, fällt ein Nachtfalter. Er landet mit dem Staub seiner Flügel auf der zähen Wasseroberfläche. Er gleitet den Wasserfall hinunter, taumelt zwischen Steinen und Schaum hin und her. Über den Fichtenwipfeln Schwärme leichter Federmücken in der aufsteigenden Nachtwärme. Das alles sieht man, wenn man in dem dünnen Spalt sitzt, den eine Sommernacht ausmacht, schwebend auf der zerbrechlichen Hülle zwischen zwei Welten.

Ich weiß nicht, wie ich so lange auf mein kleines Stück Freiluftparadies verzichten konnte. Und den Blick auf die Fichtenwipfel habe ich auch, sogar auf eine ganze Bergkette voll davon. Kein Wunder, dass der Kopfschmerz da das Nachsehen hat. Und jetzt wieder fix nach draußen…