Unglaublich. Seitdem ich gestern meinte, mal eben meinen Mobilfunkvertrag verlängern lassen zu müssen, habe ich Migräne. Aber vom Feinsten. Was auch kein Wunder ist, nachdem der Schmierlappen in dem Laden über eine Stunde dafür brauchte, von wegen “mehr Leistung für das gleiche Geld”, “Vertragsoptimierung” undsoweiter undsofort…
Aber zur Belohnung gab es immerhin endlich wieder ein Nokia, auch wenn ich mich noch gar nicht näher mit meinem neuen Spielzeug auseinandersetzen konnte – wie auch, wenn ich kaum den Kopf anheben konnte, ohne aufjaulen zu müssen. Also hab ich mir weiter die Kühlkompresse an die tuckernde Stirn gedrückt und mich in dem Optimismus gesuhlt, dass das Drama heute Schnee von gestern sein würde.
Das Aufstehen heute morgen hat mich eines Besseren belehrt. Aber… Tadaaah, ich habe das ultimate Heilmittel entdeckt. Nein, keine Schmerzmittel, auch nicht mein geliebtes Pfefferminzöl, nein – der Balkon!
Eine Stunde lang die nackten Füße auf die Balkonbrüstung gelegt, den etwas merkwürdig klingelnden Vögeln gelauscht (ich brauche wohl tatsächlich mal so eine Vogelgesangsbestimmungs-CD), die emsigen Bienen beobachtet und schließlich ein wunderbares Buch fertig gelesen, das sich beim zweiten Mal sogar als noch schöner als beim ersten Mal entpuppte… Und der Kopfschmerz ist weg!
Als wäre das nicht genug, habe ich sogar noch Farbe bekommen – ja, ich, das Käsemännchenweibchen vom Dienst. Und wenn die Sommersprossen weiterhin so dicht an dicht sprießen, könnte man mich bald vielleicht sogar als zart gebräunt bezeichnen – die Masse macht’s.
Und weil mir gerade so unglaublich sommerlich zumute ist, hier noch das zwar verfrühte, aber trotzdem zu meiner Stimmung passende Zitat aus besagtem wunderbaren Buch (Populärmusik aus Vittula von Mikael Niemi):
Wie schön doch der Sommer ist, so vollendet und ewig! Die Mittsommernachtssonne über dem Waldrand, leuchtend rote Nachtwolken. Vollständige Windstille. Die Wasseroberfläche spiegelblank, nicht eine Kräuselung. Ein plötzlicher Wasserkreisel, der sich langsam in der gewaltigen Stimme verbreitet. Und dann, mitten im Schweigen, fällt ein Nachtfalter. Er landet mit dem Staub seiner Flügel auf der zähen Wasseroberfläche. Er gleitet den Wasserfall hinunter, taumelt zwischen Steinen und Schaum hin und her. Über den Fichtenwipfeln Schwärme leichter Federmücken in der aufsteigenden Nachtwärme. Das alles sieht man, wenn man in dem dünnen Spalt sitzt, den eine Sommernacht ausmacht, schwebend auf der zerbrechlichen Hülle zwischen zwei Welten.
Ich weiß nicht, wie ich so lange auf mein kleines Stück Freiluftparadies verzichten konnte. Und den Blick auf die Fichtenwipfel habe ich auch, sogar auf eine ganze Bergkette voll davon. Kein Wunder, dass der Kopfschmerz da das Nachsehen hat. Und jetzt wieder fix nach draußen…