Archiv fü Juli, 2007

Sie sind wunderbar, die neuen Nachbarn – so wunderbar dämlich, dass ich es kaum glauben mag. Nach ihrer mehr als fragwürdigen Aktion neulich hatten wir abends bei ihnen geklingelt, um sie ganz ruhig und höflich darauf hinzuweisen, dass sie sich doch bitte nicht länger an fremdem Eigentum vergreifen mögen.
Und um unsere Ruhe zu haben, waren wir immerhin so nett, ihnen in Absprache mit unserer Vermieterin “unseren” Keller zu überlassen und auf den anderen, leer stehenden auszuweichen. Aber auch nur mit dem dazugehörigen, intakten Riegel.

Eine Parkuhr hätte sicher verständnisvoller reagiert und uns vor allem diese unschöne, weil laute Szene im Treppenhaus erspart. Aber wir hatten ja leider keine Wahl und mussten uns mit der Nachbarin auseinandersetzen, die fröhlich vor sich hin krakeelte, ohne uns offensichtlich auch nur mal fünf Sekunden lang zuzuhören. Anfangs hatte ich mich noch gefragt, ob sie sich wohl absichtlich dumm stellt, nach einigen Minuten hatte sich die Frage nach dem “stellen” allerdings erübrigt.
Immerhin – nach ca. 15 Minuten, die für alle anderen Bewohner des Hauses äußerst amüsant gewesen sein müssen, schien sie dann halbwegs kapiert zu haben, worum es geht, und schob prompt ihrem Mann die Schuld in die Schuhe, der sei ja “eh so neben der Spur, hihi, wie witzig”. Ja, genau, witzig, so kann man es auch nennen.
Fazit: Sie wolle ihn darauf ansprechen, was er denn da so unglaublich Witziges gemacht hätte, und wir würden dann einen neuen Riegel bekommen.

Und was soll ich sagen – sie sind sehr zuverlässig, unsere neuen, ach so herzigen Nachbarn. Wenige Tage später hatten wir tatsächlich wieder einen intakten Riegel an unserer Kellertür – dafür leider der Fahrradkeller nicht mehr.
Irgendetwas an dem Thema “fremdes Eigentum” scheinen sie nicht so ganz verstanden zu haben.
Aber da sie generell zu glauben scheinen, dass sie allein auf der Welt sind, und seit fünf Wochen unentwegt hämmern und bohren, mit Vorliebe auch sonntags ab 21h, wundert mich das auch nicht mehr.

Wir hätten sie noch einmal darauf ansprechen können, aber da es uns langsam wirklich zu dumm wird und ich auf eine weitere laute Szene im Treppenhaus gut und gerne verzichten kann, habe ich vorhin kurzerhand die Hausverwaltung angerufen – schließlich gehört der Fahrradkeller zum Gemeinschaftseigentum, so dass wir eh nicht mehr direkt betroffen sind. Auch wenn ich nur ungern zur Petze werde – irgendwann ist Schluss, zumal die Riegeltauscherei auch schon anderen Nachbarn aufgefallen ist.

Und was erfahre ich von der Hausverwaltung? Die Familie ist damit nicht zum ersten mal negativ aufgefallen, siehe da. Nicht schlecht, würde ich sagen, nachdem sie erst vor gerade mal zwei oder drei Wochen hier eingezogen sind. Es bleibt spannend.

So eine Jungkatze ist doch was anderes als unsere doch eher behäbigen, alt eingesessenen Stubentiger – herrje. Wollte ich mich piercen lassen, könnte ich das direkt hier daheim machen, so durchlöchert wie ich eh schon bin. Aber ich entschuldige es damit, dass unser Urlaubsgast noch so jung und ungestüm ist und vielleicht einfach noch nicht begriffen hat, dass menschliche Haut sehr nachgiebig ist und kein so robustes Spielzeug, wie sie es gerne hätte.
Und sie hat ganz andere Angewohnheiten als unsere Katzenkinder – zum Beispiel ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, ständig und bei jeder Gelegenheit die Nase abgeschlabbert zu bekommen. Nickerchen auf dem Sofa sind ab sofort tabu.

Und müsste ich nicht gerade unter Einsatz meines Lebens verhindern, dass unsere Wohnung komplett auseinander genommen wird, könnte ich auch ins Detail gehen – vielleicht morgen, irgendwann muss Blue ja auch mal schlafen. Hoffe ich.

Bis gerade eben hatten der Biologe und ich Besuch – Nyxon hat uns mit seiner Anwesenheit beehrt, ein Mini-Bloggertreffen sozusagen. Wobei sich unser aller Augenmerk mehr auf seinen Anhang gerichtet hat – die kleine Blue, die nun für eine Woche unser Gast sein wird. Tatsächlich haben wir drei über sechs Stunden damit verbracht, auf eine Reaktion der drei Katzen aufeinander zu warten, um so entscheiden zu können, ob das in dieser Konstellation gut geht.
Leider gab es keine Reaktion. Unser Kater hat sich die geschlagenen sechs Stunden lang unter dem Sofa verschanzt, Kathy ließ sich zwar mal blicken, blieb aber auch zu allem und jedem auf Abstand – tja, und Blue, die kleine Diva, die damit ihrem Spitznamen mehr als gerecht wird, hat die Ablage vor dem großen Badezimmerspiegel zu ihrem neuen Stammplatz erklärt.

Und bis jetzt hat sich an der Situation nichts geändert, ich sitze sozusagen zwischen den Fronten. Das Highlight war eine kurze Annäherung bis auf drei Meter, begleitet von einem beidseitigen Fauchen, gefolgt von beidseitigem Rückzug. Gerade eben hat sich der Kater tatsächlich bis zum Badezimmer vorgewagt – ein zaghaftes Fiepen, das mehr an ein Meerschweinchen erinnert, und wieder Rückzug. Also kein wirklicher Kontakt, keine aussagekräftige Reaktion. Und das nach mehr als sechs Stunden angespannter und vor allem konzentrierter Warterei (die wir uns immerhin mit Cidre und Pizza versüßt haben).
Es ist schon ein wenig ermüdend, zumal Nyxon inzwischen aufgegeben und den Heimweg angetreten hat, so dass sich hier ein wenig Erschöpfung breitmacht – was sicherlich nicht nur an der enervierenden Warterei liegt, sondern auch an dem davon abgesehen sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Nachmittag.

Und trotzdem: Ich befürchte schon jetzt, dass Nyxon demnächst wohl ohne Katze zurechtkommen muss. (Du darfst sie natürlich jederzeit besuchen, Nyxon, das weißt Du!)

Blockade

26.07.07

Derzeit würde ich mich mal wieder am liebsten selbst ohrfeigen. Warum? Weil mich allein dieser Einleitungssatz schon fast Minuten gekostet hast, weil ich zig halbfertige Blogeinträge im Kopf habe, weil es genug zu erzählen gibt und ich trotzdem partout nicht in der Lage bin, das Zeug mal eben hier loszuwerden. Dabei will ich doch so gerne, aber irgendwie – hach, ich weiß auch nicht. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach, oder so ähnlich, oder beides schwach und gleichzeitig willig, aber unfähig.

Aber: Am Samstag bekommen wir – ein wenig Glück und Verträglichkeit vorausgesetzt – einen befellten Feriengast, so dass es dann zumindest reichlich Katzen-Content geben sollte. In den Pausen, wenn ich nicht gerade Katzenohren aufsammeln und Blut wegwischen muss.

Ein großer Verlust – auch ohne Das Leben der Anderen schon gesehen zu haben. Er hatte dieses Funkeln in den Augen. Zum Tode von Ulrich Mühe.

Alles Fell

22.07.07

Wir wurden neulich tatsächlich gefragt, ob sie Kinder kriegt.

Es war einmal ein Junge, der liebte ein Mädchen, und ihr Lachen war eine Frage, mit deren Beantwortung er sein ganzes Leben verbringen wollte.

Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe

Es sind Sätze wie dieser, für die ich Bücher so liebe.

Vorhin fast eine Vollbremsung gemacht, dann aber noch auf die Gegenfahrbahn ausgewichen – weil da einer in Seelenruhe mitten auf der Fahrbahn hockte, neben seinem Auto, dessen Türen auch noch sperrangelweit aufstanden, und sich die Schnürsenkel zuband.
Kurz den Impuls verspürt, ihm gezielt über die Zehen zu fahren, so als Wink mit dem Zaunpfahl. Mich dann aber auf meine neu gewonnene, nicht länger Nikotin-abhängige innere Ruhe besonnen und es gelassen. Stolz verspürt – und Unverständnis.