Emily und Fräulein Anna haben mich mit einem Stöckchen bedacht, das ich nur zu gerne bearbeite:
- Nimm das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten.
- Schlage Seite 123 auf.
- Suche den fünften Satz auf der Seite.
- Poste die nächsten drei Sätze.
- Wirf das Stöckchen an fünf Blogger weiter.
Also. Bei dem Buch, das vor mir auf dem Tisch liegt, bereit für ein paar wunderbare Lesestunden am Wochenende, handelt es sich um Mit brennender Geduld von Antonio Skármeta. Und ich weiß jetzt schon, dass diese Lesestunden so wunderbar werden, weil mir dieses Buch von meiner Freundin ans Herz gelegt worden ist, die ebenfalls Buchhändlerin ist – es hatte fast schon etwas von einem Rollenspiel, als ich vor ihr in der Buchhandlung stand und um eine Beratung bat.
Und der Blick auf Seite 123 reicht bereits, um ihr zutiefst dankbar zu sein. Und ich muss schummeln, ich kann einfach nicht anders – ich beginne mit dem zweiten Satz:
Zwölf Sekunden nach dieser Prophezeiung, als die Lauscher aller nüchternen, weniger nüchternen und schon bewußtlosen Gäste, wie von einem riesigen Magneten angezogen, auf die Küche gerichtet waren und Alarcón und Guzmán so taten, als müßten sie ihre verschwitzten Handflächen an ihren Hemden trockenreiben, bevor sie in zitternde Begleitmusik einfielen, durchbrach Beatriz’ Orgasmus die sternenklare Nacht mit einem solchen Akkord, daß sogar die Paare in den Dünen davon inspiriert wurden (”Einmal so einen”, flehte die Touristin den Telegrafisten an), die Witwe indes brandrote Ohren bekam und dem Herrn Pfarrer, der schlaflos in seinem Kirchturm lag, die Worte entfuhren: “Magnificat, staba, lingua, dies irae, benedictus angelus, kyrie eleison.”
Nach dem letzten Jauchzer schien die ganze Nacht feucht zu werden, und die danach folgende Stille hatte etwas Stürmisches und Beunruhigendes.Antonio Skármeta: Mit brennender Geduld
Hach. Welch Kleinod. Das ist Literatur. Und ich beschränke mich auf zwei Empfänger des Stöckchen – Amy und Okavanga, Ihr habt doch bestimmt ein Buch in Reichweite!

10. Februar 2008, um 18:27
das liest sich vortrefflich. ich erwarte schon mit spannung Ihre kritik
16. Februar 2008, um 15:19
Das Illuminatenstöckchen *g*