Hin und weg
04.08.08
Am Samstag war es endlich so weit – mein Lieblingskommilitone Mirko und seine hinreißende Braut Melle haben sich in der Kirche das Ja-Wort gegeben. Und ich bin immer noch hin und weg.
Als ich noch vor der Kirche feststellen musste, dass es um meine Fassung mal wieder ganz schlecht bestellt ist, habe ich mir noch ganz schnell diverse Mantras zurechtgelegt – ein Glück, da ich die Trauung so in vollen Zügen genießen konnte, ganz ohne Heulsturz und verlorene Kontaktlinsen. Und das war wirklich nicht einfach, Mantra hin oder her, bei solch einem wunderschönen Paar. Die Braut war ein Traum, quasi der Inbegriff der Braut, und überhaupt … Hach.
Und als wäre ich nicht so schon nah genug am Wasser gebaut, gab es auch noch drei Gesangseinlagen des A-cappella-Ensembles Chantik – unter anderem mit einer irischen Ballade, die mir eine Gänsehaut sondergleichen beschert hat.
Ja, und dann die große Feier im Anschluss – sehr feucht und vor allem sehr, sehr fröhlich. Zunächst musste ich erfahren, dass ausgerechnet jene Dozentin, bei der ich immer noch meine letzte Hausarbeit ausstehen habe, die Uni verlässt, zum Ende des Semesters, also in wenigen Wochen schon.
Wie gut nur, dass ich den Biologen kurzerhand zum Fahrer erklären konnte. Als ich dann noch nebenbei erwähnt habe, dass ich seit über vierzehn Jahren keinen Jäger*meister mehr getrunken habe, war der Abend in jedem Fall gerettet (auch wenn dies nicht für meine Leber gelten mag).
Herrje, hatten wir Spaß! Getanzt, geredet, gefeiert, gelacht – und nebenbei dank des Trauzeugen auch noch gelernt, dass man Sambuca und Wodka durchaus mischen kann. Nicht zu vergessen das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen an das Latein-Märtyrium an der Uni – ein Thema, das sich wohl kaum vermeiden lässt, sobald mehrere Komparatisten aufeinander treffen.
Im Nachhinein zum Schreien komisch, wenn man das gefühlte zehnte Semester in Folge übersetzen darf, wie Atticus durch den Garten spaziert.
Dazu eine Musikauswahl, die mich mal eben sechs Jahre zurück in die Vergangenheit katapultiert hat, mit Liedern u. a. von Bush und Radiohead, die damals zu den Hymnen meiner allwöchentlichen Clubgängen gehörten. Ja, ja, damals, als ich noch jung war …
Und immer wieder das Brautpaar, denen ich am liebsten alle fünf Minuten vor lauter Rührung um den Hals gefallen wäre. Alles in allem eine so wunderbare Hochzeit, auf die ich mich ganz zu Recht schon monatelang gefreut hatte – trotz schmerzender Füsse, fieser Raucherlunge und latenten Kopfschmerzen am nächsten Morgen.
Und den Anblick vom tanzenden Biologen mit Zigarre werde ich wohl auch so schnell nicht vergessen …
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