Archiv fü Dezember, 2008

Zugenommen oder abgenommen? Weder noch, aber es ist auch so schon schlimm genug.

Haare länger oder kürzer? Oh ja, Haare. Die hatten ihre großes Jahr. Im Frühjahr erblondet und nach der Hochzeit radikal gekürzt, seitdem Heulen und Zähneklappern. Mittlerweile wenigstens in der Naturhaarfarbe – dunkelblond, in Zeiten der Altersdepression auch gerne “mausgrau” geschimpft. Und sie schließen so gaaanz langsam, aber sicher wieder Bekanntschaft mit den Schultern.

Mehr Kohle oder weniger? Mehr. Als kleine Idealistin habe ich erst nach der Hochzeit begriffen, wie viel uns diese auch in finanzieller Hinsicht bringt.

Mehr davon ausgegeben oder weniger? Mehr. Ganz klar. Obwohl – mehr als alles geht auch irgendwie nicht.

Mehr Sport getrieben oder weniger? Drei Städtetrips könnte man doch eigentlich fast schon als regelmäßigen Sport verbuchen. Doch, das passt schon.

Mein hirnrissigster Plan? Dem Biologen zufolge alle fünf Minuten einer.

Die gefährlichste Unternehmung? Wieder als Buchhändlerin zu arbeiten. Als ernsthaft Suchtkranker direkt an der Quelle zu arbeiten ist fatal – so gesehen habe ich damals nach dem Abi die dümmste Berufswahl aller Zeiten getroffen. Hinzu kommt, dass ich meinen Traum-Arbeitsplatz gefunden habe – dummerweise nur als Teilzeitkraft.

Teuerste Anschaffung? Meine Nähmaschine – die zweite in diesem Jahr und der Beweis, dass es sich lohnt, in Qualität zu investieren.

Das leckerste Essen? Ein Ploughman’s Sandwich – am 16. September im Londoner Regent’s Park, attackiert von Eichhörnchen. Paradies.

Das beeindruckendste Buch? Goodbye Lemon von Adam Davies. Und bei den Sachbüchern Die Gefahren der Ehe: Elisabeth von England und Maria Stuart von Anka Muhlstein. Bei den Kinder- und Jugendbüchern ganz klar The Boy in the Striped Pyjamas von John Boyne.

Das witzigste Buch? Die souveräne Leserin von Alan Bennett.

Der ergreifendste Film? Herrje, als wüsste ich noch, was ich dieses Jahr alles gesehen habe. Im Ernstfall wohl die BBC-Verfilmung von Charlotte Brontes Jane Eyre. Sie hat mich zumindest ganz hervorragend abgelenkt, als der Biologe in den USA weilte und wir so lange voneinander getrennt waren wie nie zuvor. Und als Serie ganz klar Six Feet Under – Gestorben wird immer.

Die beste CD? Accelerate von REM.

Das schönste Konzert? Mangels Konzert frage ich lieber nach der schönsten Kulturveranstaltung, und mit der kann ich dienen, oh ja: A Midsummer Night’s Dream in Shakespeare’s Globe Theatre. Ich weiß kaum, was schlimmer war, die Kälte oder die Schmerzen, und trotzdem war es ein Höhepunkt in meinem bisherigen Leben. Und für die Anglistin in mir ganz sicher der Höhepunkt.

Die meiste Zeit verbracht mit…? Meinem Biologen.

Die schönste Zeit verbracht mit…? Meinem Biologen.

Vorherrschendes Gefühl 2008? Jetzt erst recht.

Was 2008 zum ersten Mal im Leben getan? Geheiratet. Ein Gewerbe angemeldet.

Was 2008 nach langer Zeit wieder getan? Geflogen – 2x mit dem Biologen nach London, 1x allein nach Wien. Ein Trauma überwunden und eine lange, lange überfällige Hausarbeit geschrieben und erfolgreich abgegeben. Mit Leib und Seele als Buchhändlerin gearbeitet.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? Unsere derzeitige Wohnsituation (inkl. unserer grenzdebilen Nachbarn mit ihrem Platzhirsch-Gebaren) kombiniert mit erneuten Umzugsplänen, viele viele Hiobsbotschaften, der bürokratische Rattenschwanz meiner Gewerbeanmeldung.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Mich selbst davon, dass ich doch ein klein wenig mehr an mich glauben könnte.

Erfolgreich gewesen? Jeden Tag ein wenig mehr.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Mich.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Der Biologe sich selbst.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? “Ja.”

2008 mit einem Wort? Heftig.

Und dann hätte ich mich gerade noch fast mit dem Anwalt vom Miet*erverein geprügelt. Ich wäre dann soweit fertig mit diesem Jahr, nächstes, bitte.

Wir hätten diese Wohnung niemals besichtigen dürfen. In dem Moment, in dem wir sie betreten, bin ich geblendet, erschlagen vom Licht. Nie zuvor habe ich eine solche Wohnung gesehen, solch eine architektonische Meisterleistung, die durch jedes noch so kleine Detail überzeugt und mich auf ewig für jede “normale” Wohnung verdirbt.

Die bodentiefen Fenster, die offenen, lichtgefluteten Räume, die Holzelemente und vor allem diese hinreißende zweite Ebene im Wohnzimmer, zu erreichen über eine Holzleiter. Dort ein paar plüschige Bodenkissen und Bücherstapel und es wäre die perfekte Leseecke.
Und das alles als Einliegerwohnung unter dem Dach – weder Nachbarn über noch neben uns. Über 100 m² reinster Wohntraum. Aber so gelegen, dass wir ein Auto bräuchten, das wegen der Miete wiederum nicht drin wäre.

Es ist bitter – in einem guten Jahr könnten wir ohne Probleme zusagen, während ich die Wohnung jetzt nur in Gedanken einrichten darf, in dem Wissen, dass es beim Träumen bleiben wird. Morgen dann muss ich den Besitzer anrufen, der uns die Wohnung wohl nur zu gern vermieten würde, um ihm zu sagen, dass sie für uns leider nicht in Frage kommt. Allein wegen der Lage (im Übrigen direkt am Waldrand und mit einem Fernblick sondergleichen).
Hach je. Ich frage mich gerade wirklich, wie ich mich jemals wieder für eine andere Wohnung begeistern soll – neben dieser kann jede andere einfach nur schlecht abschneiden.
Es war ein Fehler, wir hätten diese Wohnung niemals besichtigen dürfen.

In wenigen Stunden werde ich mein erstes Weihnachtsfest als verheiratete Frau begehen. Und allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz werde ich, werden wir dieses Weihnachten und unser gemeinsames Glück so richtig feiern – das zumindest kann uns keiner nehmen.

Das letzte Geschenk habe ich auch soeben fertiggestellt – wie immer auf den letzten Drücker, aber immerhin pünktlich. Und mit dem letzten Geschenkbändchen, das gleich noch festgezurrt werden will, wünsche ich Euch allen ein inniges, frohes Weihnachtsfest mit Euren Lieben, vielen schönen Geschenken, gutem Essen und vor allem vielen kleinen glücklichen Momenten.

geschenk

Ich habe keine Zeit mehr. Keine Zeit, mit den guten Vorsätzen auf das neue Jahr zu warten. Einem Vorsatz muss ich mich direkt widmen – ich muss endlich lernen, mich abzugrenzen.
Die letzten Wochen waren allzu reich an Hiobsbotschaften und Katastrophenmeldungen, und jede einzelne davon davon war mehr als geeignet, mir den Boden unter den Füssen wegzuziehen. Und das gilt insbesondere für die Schreckensnachrichten, die mich nicht einmal persönlich betreffen.

Natürlich ist es positiv, ein mitzufühlender Mensch zu sein, und es ehrt mich, wenn mir eine Freundin sagt, dass sie mich deshalb liebt, weil ich bin, wie ich bin – und es gibt mir zu denken, wenn gerade sie, der ich wahrlich nicht jedes kleine Drama erzähle, mich warnt.
Ja, ich fühle nicht mit, ich leide mit, und das aus tiefstem Herzen, mit jeder Faser meines Körpers. Und ich kann nicht mehr. Ich brauche ihn, den Boden unter meinen Füssen, ich muss standhaft sein, mit beiden Beinen im Leben stehen, wie auch immer – ich muss lernen, mich abzugrenzen, nicht mehr alles immer viel zu nah an mich heranzulassen. Es kostet mich einfach zu viel Kraft, Kraft, die ich nur zu gut für mich selbst brauche.
Ich darf nicht länger mitleiden. Mitfühlen ja, aber nicht mitleiden. Könnte ich doch nur aus meiner Haut.