Schmonzettenalarm
22.01.09
Eigentlich sollte hier eine vernichtende Filmkritik stehen. Eine wirklich zutiefst vernichtende Filmkritik.
Mit der ich leider nicht dienen kann. Nein, ganz und gar nicht. Tatsache ist, dass ich mich nur mit Mühe vom nächsten Kino fernhalten kann, um den Film nicht gleich ein zweites, drittes und – ach, was soll’s – ein viertes Mal zu sehen. Und natürlich geht es, wie könnte es auch anders sein, um Twilight.
Vergangenen Samstag war es soweit. Nachdem meine Freundin S. (die den Büchern um Bella und Edward mindestens ebenso verfallen ist wie ich) und ich uns schon seit Wochen und Monaten bei jedem neuen Foto der Besetzung und bei jedem neuen Trailer die Haare gerauft und lauthals gezettert haben, konnten wir uns am vergangenen Samstag endlich ein (beinahe) endgültiges Urteil über die Verfilmung unserer absoluten Lieblingsschmonzette bilden.
Und so viel sei vorab gesagt: Es ist eine Schmonzette. Natürlich. Das ist der einzige Sinn und Zweck dieser Bücher und kann daher wohl kaum als Kritikpunkt dienen. Warum sonst sollte man einen Teenie-Vampirroman lesen? Weil einem der Sinn nach höherer Literatur steht? Wohl kaum. Nein, weil es so unglaublich viel Spaß machen kann, sich für kurze Zeit wieder wie eine 13-jährige fühlen und gebärden zu dürfen, weil es die perfekte Alltagsflucht ist, weil es so schön ist, gemeinsam gibbelnd und quiekend jede einzelne Szene gleich dreimal durchzugehen.
S. und ich haben uns mit Wonne auf diese Bücher eingelassen, uns hineingesteigert und jeden (Lese-) Moment ausgekostet. Und dementsprechend entsetzt waren wir, als wir erste Bilder und Ausschnitte zu Gesicht bekamen – wie, der? Das soll Edward sein? Im Lebtag nicht. Und Bella erst. Geht gar nicht, da waren wir uns sicher.
Und dann kam der vergangene Samstag. Und ebenso, wie es bei den Büchern zu differenzieren gilt, zwischen Literatur und eben Teenie-Vampirschmonzetten, so habe ich mir noch während der Kinowerbung vorgenommen, auch hinsichtlich des Films zu differenzieren. Ein Film kann nie auch nur annähernd an ein Buch heranreichen. Wie auch, wie sollte jemand in der Lage sein, die Bilder und Figuren im Kopf jedes einzelnen Lesers ohne Verlust und Kompromiss auf die Leinwand zu transportieren? Utopisch, natürlich.
Und von diesem Standpunkt aus gesehen ist der Film tatsächlich akzeptabel. Natürlich gibt es zahlreiche Schwachstellen und Patzer, viele Schlüsselszenen fehlen ganz oder waren bis zur Unkenntlichkeit zerpflückt. Und auch Edward ist im besten Falle akzeptabel – woraus man dem Schauspieler nicht einmal einen Vorwurf machen kann. Ich meine, wir reden von Edward, wie hätte man den schon perfekt verkörpern können? Nun gut, ein wenig mehr Nase, etwas weniger Hühnerbrust und eine nicht ganz so toupierte Haartolle hätten womöglich schon Wunder gewirkt, aber im Vergleich zu dem, was die Trailer zu befürchten ließen, ist die Besetzung durchaus zu verkraften.
Ganz im Gegensatz zu Carlisle, Jasper und Jacob, die allesamt so dermaßen fehlbesetzt sind, dass es kaum zum Aushalten ist. Aber da es sich (zumindest im ersten Teil) nur um Nebenrollen handelt, lässt sich wohl auch das verschmerzen. Die zum Ausgleich positive Überraschung – Bella. Ihr Gesichtsausdruck variiert zwar während des Films nicht wirklich, ist aber zumindest passend.
Vieles, was das Buch ausgemacht hat, fehlt im Film. Und man hätte sicherlich wesentlich mehr daraus machen können. Aber sich über die Schwachstellen aufzuregen macht definitiv nicht halb so viel Spaß wie ein eher kritikloser Ausflug zurück in die Pubertät.
Unsere Männer stehen kurz dafür, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, weil sie kaum glauben können, dass sie sich bewusst für ein Leben mit diesen kitschversessenen, gibbelnden Mädchen entschieden haben – aber hey, gönnt es uns doch einfach, das legt sich auch auch irgendwann wieder! Spätestens in drei Jahren, wenn wir auch die Verfilmung des vierten Teils mitsprechen können.
Und weil es so schön war, gehen S. und ich morgen das zweite Mal ins Kino, und die DVD ist natürlich auch schon vorbestellt. Hach.
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