Archiv fü März, 2009

Ständig möchte ich etwas bloggen. Und dann tue ich es nicht direkt, und dann tue ich es überhaupt nicht. Warum auch etwas bloggen, wenn es schon wieder verjährt ist und genug andere Dinge in der Zwischenzeit passiert sind?

Darum ab sofort: Impulsbloggen. Einfach drauf los, dem Impuls folgen, bevor er verflogen ist. Auch wenn das Risiko besteht, ausfallend zu werden. Jetzt gerade zum Beispiel.

Da hatten wir vor einer Stunde endlich mal wieder einen Termin für eine Wohnungsbesichtigung. Was an sich schon ein Grund zu feiern ist, da der Markt hier für Wohnungssuchende echt mau ist. Und die wenigen Wohnunge sind entweder jenseits von oder aber hart umkämpft.

Aber dann die Wohnung gerade: Die Lage? Ein Traum im Grünen, die Stille nur von den angesichts des Wetters geradezu enthusiastisch tirilierenden Vögeln unterbrochen. Die Buchhandlung fast in Sichtweite. Das Haus? Ein Traum im Grünen. Neubau, gepflegt, nur vier Parteien. Die Wohnung? Ein Traum im Grünen, hell, perfekte Aufteilung, darüber nur der Dachboden, einfach perfekt.

Und schon beim Betreten sehe ich als erstes den Kratzbaum und merke, wie mir ein Stein vom Herzen fällt. Und tatsächlich – die Noch-Mieter haben zwei Katzen und erzählen, dass die Nachbarn von unten auch welche haben. Perfekt, denke ich, so eine traumhaft schöne Wohnung und offensichtlich auch noch ein Vermieter, der keine Vorurteile gegenüber Katzen hegt.

Der Vermieter will sich zwar noch nicht festlegen (ganz im Gegensatz zu mir), da die Interessenten mal wieder Schlange stehen, aber ich rechne mir Chancen aus. Bis ich zum Schluss die Katzen erwähne, pro forma sozusagen. Nein, sagt der Vermieter, Katzen gehen gar nicht. Hihi, denke ich mir, Sinn für Humor hat er also auch noch, wie schön. Und will es gerade laut aussprechen, als ich merke, dass er es ernst meint.

Die Mieter in der Wohnung nebenan haben eine Katzenhaarallergie, sagt er, das hätte schon ganz viel Ärger gegeben. Bitte wie, sage ich, das sind Wohnungskatzen, die bekommt doch überhaupt niemand zu Gesicht?! Ja, trotzdem, die Nachbarn von nebenan sind da sehr empfindlich, und er will nicht noch mehr Ärger.

Hallo? (Ich habe die überempfindliche Dame gesehen, wie sie im Fenster hing – sie kauft gelegentlich Bücher bei uns, was sie in Zukunft besser überdenken sollte. Sonst entwickle ich nämlich auch mal spontan eine Allergie…)

Glück

17.03.09

Frau … äh … Mutti fragt nach “glücklichen Bildern“. Danke. Die Erinnerung an glückliche Stunden kann ich gerade nur zu gut gebrauchen. Und deshalb (und weil ich unfähig bin, mich festzulegen) gibt es auch gleich zwei Bilder, die in glücklichen Momenten entstanden sind und mich auch heute beim Ansehen noch glücklich machen.

Das Bild zeigt meine Freundin A. und mich abends nach einem langen, wunderschönen Tag, den wir in Köln am Rhein verbracht hatten. Erschöpft, von der Sonne verbrannt und mit der Erinnerung an Begegnungen, wie nur wir sie erleben konnten. Und nun zurück auf den Stufen vor unserem Lieblingspub, den Stufen, auf denen ich unzählige Stunden verbracht habe, in diesem wohl intensivsten Sommer meines Lebens. Ich war gerade vor einigen Wochen volljährig geworden und überwältigt vom Leben. Und in diesem Moment einfach nur glücklich.

Das zweite Bild ist nicht einmal ein Jahr alt, entstanden nur wenige Stunden, nachdem der Biologe und ich standesamtlich getraut worden waren. Und Glück ist gar kein Ausdruck für das, was ich in diesem Moment gefühlt habe, an unserem Lieblingsstrand in Holland, nur wir, das Meer und das kaum fassbare Wissen, nun endlich offiziell Mann und Frau zu sein.

Und auf eine ganz schicksalhafte Weise, die sich wahrscheinlich nur mir erschließt, stehen diese beiden Bilder in Verbindung, führten vom einen zum anderen.

Zuckerwatte

14.03.09

Der erste Samstag nach einem Dreivierteljahr, an dem ich frei habe. Und es bringt mich so aus dem Konzept, dass ich kaum was mit mir anzufangen weiß. Zumal ich die ganze Zeit in dem festen Glauben lebe, es sei Sonntag – unser traditioneller Gammeltag.

Wie gut, dass wir dem gleich Abhilfe schaffen werden – wenn ich dann erstmal den Bauch voll Sushi habe, wird mir der Wochentag ja so egal sein.

Und bis dahin ein wenig Anschauungsmaterial: Ich war gestern endlich mal wieder fleißig, und herausgekommen ist das – ein Kramtäschchen, das so dermaßen kitschig ist, dass ich es gleich in mein Herz geschlossen habe. Zucker halt.

kramtaeschchen

Zu bekommen hier.

Tagesbilanz

10.03.09

schlammpackungMit zunehmendem Alter benötige ich tatsächlich immer weniger Schlaf. Lief vor nicht allzu langer Zeit unter acht bis neun Stunden gar nichts, funktioniere ich heute sogar nach nur sechs Stunden Schlaf (halbwegs).

Es kann sich nur noch um Wochen handeln, dann setzt auch noch die senile Bettflucht ein.
Immerhin bin ich auch schon bei Schlammpackungen angelangt (es ist übrigens echt unangenehm, wenn man mitten in der Prozedur das dringende Bedürfnis verspürt, sich die Nase zu putzen).

Erwähnte ich schon, dass ich zurzeit auf eine latente Altersdepression zusteuere? Also so seit ungefähr zwei Jahren?

Mein Name ist Bina, und ich bin süchtig. Buchkaufsüchtig. Nun mag manch einer behaupten, das sei ja gar nicht schlimm und nichts, wofür man sich schämen müsste. Aber wenn es erst einmal so pathologisch ist wie bei mir, sollte man es nicht länger verniedlichen.
Diese Sucht kostet nicht nur jede Menge Geld und Platz, sie verursacht auch einen nicht zu unterschätzenden Druck. Wann soll ich all die Bücher nur jemals lesen? Wie soll ich ihnen nur je gerecht werden, ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen (oder auch nicht, was sich aber im Vorfeld nur schwer beurteilen lässt)?

Und ich bin an dem Punkt, dass ich diese Sucht kaum länger vor mir selbst rechtfertigen kann; es ist schon so weit gekommen, dass ich versuche, neu erworbene Bücher unauffällig in den eh schon überfüllten Regalen verschwinden zu lassen, nur um dem Biologen nicht erklären zu müssen, warum ich schon wieder zuschlagen musste. Und weil ich es für fatal halte, einer Sucht im Geheimen nachzugehen, werde ich ab sofort beichten. Hier.
Wenn ich erstmal jeden Buchkauf schriftlich begründen muss (wenn auch nur für mich selbst), gebe ich vielleicht nicht mehr so schnell nach. Und eigentlich sollte ich eh viel mehr über Bücher schreiben, aber das nur am Rande.

Zum Einstieg die Bücher, bei denen ich in den letzten Wochen schwach geworden bin. Leseexemplare nicht mitgezählt, die tragen wenigstens nicht zu meinem finanziellen Ruin bei.

  • Die Brautprinzessin von William Goldman. Und damit habe ich mich gleich zu Beginn selbst übertroffen. Nicht nur, dass ich damit gegen meine eiserne Regel, keine gebundenen Bücher zu kaufen, verstoßen habe – ich hatte von diesem Titel bereits drei Ausgaben im Regal stehen. Aber ich bin schwach. Besonders morgens, wenn ich bei der Arbeit die neuesten Verlagslieferungen auspacke und auf einmal diese wirklich wunderhübsche Neuausgabe in Händen halte. Ich konnte nicht anders.
  • Federkleid von Banana Yoshimoto. Nun ja. Eine neue Yoshimoto. Nicht zu vergessen meine Schwäche für Diogenes-Bücher. Und dann noch solche Sätze gleich auf der ersten Seite:

    “Wohin man auch geht, in der Dunkelheit verfolgt einen das Rauschen des Flusses auf Schritt und Tritt. Überall in der Stadt gibt es große und kleine Brücken. Sie erzeugen einen bestimmten Rhythmus, sind wie Satzzeichen in die Flußlandschaft gesetzt, um die Leute immer wieder plötzlich vor dem Wasser innehalten und verweilen zu lassen. Nachts, wenn die Menschen schlafen, schlängelt sich der Fluß durch ihre Träume. Er hat sich tief in ihre Herzen gegraben und begleitet sie überallhin, egal, welche Wendungen das Leben nimmt.”

  • Böse Schafe von Katja Lange-Müller. Ein Buch, das schon lange auf meiner Liste stand und nun endlich als Taschenbuch erschienen ist. Ich hatte mehrfach darüber gelesen, unter anderem hier, und ich mag gut geschriebene Liebesgeschichten, die aus dem Rahmen fallen (und die leider viel zu selten sind).
  • Das Knistern in den Sternen von Jón Kalman Stefánsson. Einer dieser Titel, die mich förmlich anspringen und rufen: “Kauf mich, los, ich verspreche dich, hinter mir verbirgt sich etwas Besonderes.” Und ein Autor, der bei meinem Chef wahre Begeisterungsstürme auslöst, und das will was heißen. Ich bin gespannt.
  • QuecksilberMetaphysik der Röhren und Im Namen des Lexikons von Amélie Nothomb. Das dritte habe ich kürzlich beim Friseur fast in einem Rutsch gelesen. Die anderen beiden warten auf den richtigen Moment. Ich mag ihren Stil, minimalistisch und gleichzeitig von einer Wucht, die nachhallt. Und poetisch. Radikal. Wunderbar.
  • Seestücke von James Hamilton-Paterson. Eine Empfehlung meines Lieblingskollegen, nachdem ich beiläufig erwähnt hatte, wie sehr ich das Meer liebe. Und gut geschriebene Sachbücher sind eh viel zu selten. Also her damit.
  • Divisadero von Michael Ondaatje. Auch hierfür ist mein Lieblingskollege verantwortlich. Der mir einerseits erzählt, dass sich diese Buchkaufsucht nach zehn Jahren Berufserfahrung legt (das wäre bei mir in wenigen Monaten soweit, soviel dazu), und mir andererseits das Leben nur noch schwerer macht, indem er mir ständig solche Bücher ans Herz legt. Und das mit einer Überzeugungskraft, dass ich nicht widerstehen kann. Das sieht dann so aus, dass ich zur Arbeit komme und das in der Zwischenzeit erschienene Buch schon für mich reserviert im Büro liegt. Also selbst wenn ich in Zukunft keine Neuerscheinungen mehr auspacken würde – ich habe so oder so verloren.

Platzhalter

05.03.09

snukems

Wäre bitte jemand so freundlich, all die schon längst gedachten Blogeinträge aus meinem Hirn zu pflücken, auszuformulieren und niederzuschreiben? Besten Dank.