Archiv für die Kategorie 'Alltagswahn'

Tagesbilanz

10.03.09

schlammpackungMit zunehmendem Alter benötige ich tatsächlich immer weniger Schlaf. Lief vor nicht allzu langer Zeit unter acht bis neun Stunden gar nichts, funktioniere ich heute sogar nach nur sechs Stunden Schlaf (halbwegs).

Es kann sich nur noch um Wochen handeln, dann setzt auch noch die senile Bettflucht ein.
Immerhin bin ich auch schon bei Schlammpackungen angelangt (es ist übrigens echt unangenehm, wenn man mitten in der Prozedur das dringende Bedürfnis verspürt, sich die Nase zu putzen).

Erwähnte ich schon, dass ich zurzeit auf eine latente Altersdepression zusteuere? Also so seit ungefähr zwei Jahren?

Ach so. Man ist also vermindert schuldfähig, wenn man zu Gewaltausbrüchen neigt. Gut zu wissen, muss ich mir merken.

Sollte ich also jemals beschließen, persönlich aktiv gegen die Überbevölkerung vorzugehen und ein unliebsames Leben vorzeitig zu beenden, so müsste ich mich doch nur vorher ein paar Monate lang pöbelnderweise in die Fußgängerzone stellen und Passanten hauen. Und vielleicht mal dem Biologen ein Veilchen verpassen. Die Katzen bestätigen meine Gewaltbereitschaft auch so jederzeit.
Dann vielleicht noch ein paar Schlückchen Hochprozentiges, und ich dürfte fein raus sein. Nur für den Fall, versteht sich.

Heute morgen war dann tatsächlich der Architekt da, um sich die Feuchtigkeitsschäden in unserem Schlafzimmer anzusehen. Seiner Meinung nach die Hauptfaktoren: Die Heizung, die so gut wie nie ordentlich funktioniert hat, seit wir hier wohnen, sowie die extremen Wärmebrücken, die durch den nicht isolierten Dachboden noch verstärkt werden. Und er glaubt nicht daran, dass wir den Schimmel durch falsches Lüftungsverhalten verursacht haben. Immerhin.
Und er hat uns dieses Zusammenwirken auch noch so erklärt, dass ich als Laie es hervorragend nachvollziehen konnte. Von wegen “Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kalte, blablabla, ist die Temperatur beständig zu niedrig, schlägt sich die Feuchtigkeit an den Wänden nieder, undsoweiterundsofort…”

Nun habe ich gerade mit der Hausverwaltung gesprochen, um mit ein wenig Glück zu erfahren, ob und wann denn nun endlich mal etwas unternommen wird. Was muss ich mir anhören? Unsere Wohnung sei ihr bei der letzten Begehung wie eine Sauna vorgekommen, da dürften wir uns nicht wundern. Da mag sie sogar recht haben – unsere grandiose Heizung lässt sich leider so gut wie gar nicht regulieren. Wenn sie denn gerade überhaupt mal funktioniert, bullert sie ohne Ende und lässt sich dann nicht einmal abstellen. Was aber auch nichts zur Sache tut.
Ich habe mir alle Mühe gegeben, ihr mit möglichst ruhiger Stimme zu erklären, dass nicht Wärme das Problem ist, sondern Kälte, ganz so, wie es uns der Architekt heute morgen erklärt hat und wie es ja auch einleuchtet. Ihre Reaktion: Das könne nicht sein, das sei für sie nicht nachvollziehbar, und sie würde ihr Schlafzimmer überhaupt nie heizen und hätte schließlich auch keinen Schimmel.
Herrje, wenn sie meint, dass sie sowieso alles besser weiß, besser als der Experte – warum schickt sie uns den überhaupt? Diese Impertinenz und Borniertheit verschlägt mir immer wieder die Sprache, und ich habe so keine Lust mehr, ständig mit solchen *** kommunizieren zu müssen. Zumal uns die Dame erst vor drei Wochen noch solch ein tolles Pamphlet geschickt hatte, wie wichtig richtiges Heizen sei. dass ich nicht lache.

Und wo ich gerade bei diesem sagenhaften Pamphlet bin – ganz wichtig: “…die Möbel mit mehreren Zentimetern Abstand zur Wand und zum Boden aufzustellen”.

So, liebe Leser, nun frage ich Euch: Habt Ihr auch alle brav Eure Kleiderschränke, Bücherregale etc. aufgebockt bzw. auf Stelzen montiert?

Wohnglück

08.01.09

Eigentlich sollten wir gerade einem Architekten dabei zusehen, wie er in unserem Schlafzimmer irgendwelche Messungen vornimmt. Eigentlich. Uneigentlich erhielten wir gerade exakt zwei (!) Minuten vor dem vereinbarten Termin einen Anruf, sein Auto würde nicht anspringen. Vielleicht käme er morgen.
Und ich könnte platzen vor Wut. Ja klar, höhere Gewalt, ich weiß, ich weiß, und trotzdem… So langsam aber sicher bin ich am Ende mit meiner Geduld.

Wir haben Anfang November, also vor über zwei Monaten, Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbefall in unserer Wohnung gemeldet. Besonders gravierend im Schlafzimmer – zweieinhalb Wände sind von oben bis unten verschimmelt, der klägliche Rest auf dem besten Wege dorthin. Und ist bislang irgendetwas unternommen worden?
Nein, natürlich nicht, warum auch, ist doch nur Schimmel, der tut nichts, “der will nur spielen”. Fragt sich nur, ob die Regale inklusive der zahlreichen Bücher, die wir schon als komplett verschimmelt entsorgen durften, das auch so sehen.

Dafür dürfen wir uns die ganze Zeit sowohl von unserem Vermieter als auch der Hausverwaltung anhören, der Schimmel sei von uns verschuldet, wir würden nicht ordentlich lüften. Natürlich, ganz offensichtlich, wir sind zu dämlich, ein Fenster zu öffnen, und weiden uns stattdessen mit Wonne an dem Schimmel.
Womöglich ist es sogar Edelschimmel und somit eine Delikatesse, wer weiß. Mir reicht’s, und zwar so dermaßen.

Immerhin – während ich das hier schreibe, sind die Elektriker angerückt, nach sage und schreibe knapp vier Wochen ohne Heizung im Schlafzimmer wird zumindest dieses Problem behoben. Man muss sich auch über die kleinen Erfolge des Lebens freuen können. Oder so. Ja, ich freue mich, ich weiß vor lauter Begeisterung gar nicht wohin mit mir.

Vor einigen Tagen nutzten wir das Kontaktformular eines Immobilienportals, um den zuständigen Makler um einen Besichtigungstermin für eine Wohnung zu bitten.
Heute erhielten wir die Antwort: Er bräuchte zunächst unsere Adresse, um uns dann die Adresse des Objekts schriftlich und per Post mitteilen zu können. Nur so sei eine diskrete Außenbesichtigung zu gewährleisten.

Ein Fuchs, dieser Makler. Schließlich hatte er die Adresse auch in der Wohnungsanzeige nicht genannt, sondern nur eine äußerst vage Angabe zur Lage gemacht. Aber vielleicht wäre es zusätzlich hilfreich gewesen, die Adresse auf dem eingescannten Grundriss unkenntlich zu machen. Vielleicht.
Möglicherweise ist nicht jeder Interessent so diskret wie wir, die wir im Halbdunkeln, mit Hut, Sonnenbrille und hochgeschlagenem Mantelkragen um das Objekt geschlichen sind.

Und dann hätte ich mich gerade noch fast mit dem Anwalt vom Miet*erverein geprügelt. Ich wäre dann soweit fertig mit diesem Jahr, nächstes, bitte.

Wir hätten diese Wohnung niemals besichtigen dürfen. In dem Moment, in dem wir sie betreten, bin ich geblendet, erschlagen vom Licht. Nie zuvor habe ich eine solche Wohnung gesehen, solch eine architektonische Meisterleistung, die durch jedes noch so kleine Detail überzeugt und mich auf ewig für jede “normale” Wohnung verdirbt.

Die bodentiefen Fenster, die offenen, lichtgefluteten Räume, die Holzelemente und vor allem diese hinreißende zweite Ebene im Wohnzimmer, zu erreichen über eine Holzleiter. Dort ein paar plüschige Bodenkissen und Bücherstapel und es wäre die perfekte Leseecke.
Und das alles als Einliegerwohnung unter dem Dach – weder Nachbarn über noch neben uns. Über 100 m² reinster Wohntraum. Aber so gelegen, dass wir ein Auto bräuchten, das wegen der Miete wiederum nicht drin wäre.

Es ist bitter – in einem guten Jahr könnten wir ohne Probleme zusagen, während ich die Wohnung jetzt nur in Gedanken einrichten darf, in dem Wissen, dass es beim Träumen bleiben wird. Morgen dann muss ich den Besitzer anrufen, der uns die Wohnung wohl nur zu gern vermieten würde, um ihm zu sagen, dass sie für uns leider nicht in Frage kommt. Allein wegen der Lage (im Übrigen direkt am Waldrand und mit einem Fernblick sondergleichen).
Hach je. Ich frage mich gerade wirklich, wie ich mich jemals wieder für eine andere Wohnung begeistern soll – neben dieser kann jede andere einfach nur schlecht abschneiden.
Es war ein Fehler, wir hätten diese Wohnung niemals besichtigen dürfen.

Erwischt

20.11.08

“Um es kurz zu machen: Haben Sie gerade ein Auto aufgebrochen?” Eins? Wieso nur eins?

Da gehe ich gestern abend arglos mit meinem Lieblingskollegen Richtung Parkplatz, nachdem wir tatsächlich pünktlich den Laden abschließen konnten, und dann so etwas. Aber “die Beschreibung passt: Mann mit Hut und einer Frau dabei.”
Nun gut, meine werten Herren in Grün, das macht uns natürlich dringend tatverdächtig, ehrlich gesagt ist die Arbeit in der Buchhandlung ja auch nur Tarnung: “Du, Lieblingskollege, übernimmst Du mal eben die Kasse, ich geh mal eben ein paar Autos aufbrechen.” Herrlich.

Der Kommentar meines Lieblingskollegen: “Ist lange her, dass mir zuletzt mit einer Stabtaschenlampe ins Gesicht geleuchtet wurde.” Und ich mache noch Witze über mein chronisch schlechtes Gewissen, wenn ich Herren in Grün sehe – ganz und gar unbegründet natürlich. Und dann sowas. Ts.