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Mordgelüste

26.10.09

Es ist nicht schön, wenn man abends von der Arbeit heim kommt, mit Magenschmerzen an den Briefkasten geht, weil man jeden Tag mit Post vom Prüfungsamt und dem Ergebnis der Abschlussarbeit rechnet, dann tatsächlich einen Brief mit dem Uni-Logo vorfindet, auf dem Absatz umdreht, um sich vor das nächstbeste Auto zu werfen, es sich mit Gedanken an die Familie dann doch widerwillig anders überlegt, mit dem Brief in der Hand die Wohnung betritt, dabei überlegt, wie viel Alkohol wohl nötig wäre, um die Angst erträglich werden zu lassen, sich mangels Alternativen dann doch überwindet und den Umschlag kurzerhand öffnet – nur um ein Schreiben von irgendeiner Fakultät in der Hand zu halten mit der Bitte, an einer Umfrage teilzunehmen.

Als er vor einem knappen Jahr mit seinem Diplom fertig war, hatte mein Biologe genau zwei Möglichkeiten.
Er hätte fast ein ganzes Jahr auf seine Diplomurkunde warten können, um sie dann im Rahmen eines Festes ganz offiziell und feierlich überreicht zu bekommen. Oder er hätte sie sich direkt aushändigen lassen können – was er dann auch getan hat.
Unter einer Bedingung: Er musste unterschreiben, dass er definitiv nicht und auf gar keinen Fall bei dem Fest diesen Sommer erscheinen würde. Und zwar genau so – es ging nicht darum, dass er logischerweise auf die Überreichung verzichten sollte, nein, es ging darum, dass er das Fest an sich meiden sollte.

Eine mehr als merkwürdige Regelung, aber bitte – das kann ja jeder für sich selbst entscheiden, und für den Biologen war es sicherlich kein Verlust, dort nicht noch einmal antreten zu müssen. Die neun Monate Diplomarbeit an diesem Lehrstuhl haben gereicht, so dass die Erinnerungen wirklich keiner Auffrischung bedürfen.

Und dann vor einiger Zeit dieses Schreiben in der Post mit der Einladung zu eben jenem Fest – schließlich sei die Bindung der Absolventen an ihre Alma mater doch so wichtig, und davon abgesehen wolle der Dekan ihm doch so gerne persönlich gratulieren.

Schade eigentlich – nach diesem anrührenden Schreiben hätte mein Biologe es sich vielleicht doch noch mal überlegt. Aber er darf ja nicht.

Geistreiches

27.01.07

Ach ja, fast hätte ich es schon wieder verdrängt vergessen: 2007 ist tatsächlich das Jahr der Geisteswissenschaften – wenn das mal kein Zeichen ist.

Dazu passend das Quiz zum Jahr der Geisteswissenschaften, bei dem ich immerhin zehn von elf Fragen richtig beantworten konnte. Ob ich mir das irgendwo anrechnen lassen kann? Auf jeden Fall bin ich jetzt hochmotiviert, mich für den Rest des Tages Nachmittags hinter meine Bücher zu verkrümeln und fleißig zu sein – man will ja schließlich seinen Beitrag leisten. Hust.

Am vergangenen Freitag wurde ich noch per Email dazu aufgefordert, mich am Montag mit Auto an der Uni einzufinden, um im Ernstfall den Senat verfolgen und so eine Einführung von Studiengebühren verhindern zu können.
Weil ich ein gemeiner Verräter bin aber arbeiten musste, um mir mein Studium zu finanzieren, konnte ich an dieser netten “Schnitzeljagd” leider nicht teilnehmen – was sich nun rächt: Ruhr-Universität erhebt Studienbeiträge.

Dabei finde ich zwei Passagen ganz besonders interessant:

Außerdem enthält die Satzung eine Härtefallregelung, wenn die Beiträge die wirtschaftliche Existenz der Studierenden gefährden.

Wie schön. Wann genau tritt dieser Fall denn ein? Ich selbst habe die Bestätigung von der Uni, dass ich mich in einer wirtschaftlichen Notlage befinde – was sie aber nicht davon abhält, kräftig zu kassieren.
Die meisten Studenten, die ich kenne, müssten unter diese Härtefallregelung fallen, wenn es mit rechten Dingen zuginge. Aber das ist natürlich alles Auslegungssache.

So dienen die Studienbeiträge zum Beispiel dazu, Bibliotheks-, Multimedia- und Laborausstattungen zu verbessern, die Arbeit in Kleingruppen zu fördern oder Beratungsangebote auszubauen.

Noch vor wenigen Wochen äußerte sich der Rektor der RUB dahingehend, dass Studiengebühren nicht dazu dienen würden und könnten, die Qualität der Lehre zu verbessern, sondern nötig wären, um zumindest die gegenwärtigen Bedingungen zu halten. Und genau diese Bedingungen sind es, die vielen Studenten das Studium drastisch erschweren und oft genug sogar unmöglich machen – wenn man zum Beispiel mehrere Semester in Folge keinen Platz in Pflichtveranstaltungen bekommt, kann das auch ein Grund sein, um das Studium abzubrechen.

Aber wie immer lasse ich mich gerne eines Besseren belehren – die Zukunft wird es zeigen, zum Glück ohne mich.

Mein frischgebackener Diplom-Biologe! Heute war endlich der große Tag. Und auch wenn uns (ja, mich auch) diese Diplomarbeit über neun Monate lang viel zu viele Nerven gekostet hat, so war der Einsatz nicht umsonst – es ist ein “sehr gutes” Diplom. Und ich platze vor Stolz.

biologe

Im Moment ist die Anspannung hier fast schon greifbar. Am vergangenen Freitag ist die Frist abgelaufen, das Gutachten der Diplomarbeit sollte inzwischen beim Dekanat vorliegen.

Mein Biologe ist kaum ansprechbar, und es fällt mir schwer, ihn zu beruhigen, weil es mir selbst nicht wirklich besser geht. Die Frage ist nicht nur, welche Note dabei herausgekommen ist, sondern auch, ob das Gutachten überhaupt fristgerecht eingereicht worden ist. Und von wem.

Ich hoffe sehr, dass das Warten, Hoffen und Bangen morgen endlich ein Ende hat, dass es dann endlich aufwärts geht. Diese Diplomarbeit hat von Anfang an unter einem denkbar schlechten Stern gestanden, und so langsam wäre es echt schön, wenn der ganze Psychoterror endlich ein Ende hätte.
Und in den nächsten Tagen, wenn das Thema hoffentlich abgeschlossen ist, gibt es die dazugehörige Geschichte auch hier zu lesen.

Vorbelastet

22.08.06

Die Uni hat mich zu einem mißtrauischen Menschen gemacht. Gerade habe ich beim Prüfungsamt angerufen, weil ich eine Bescheinigung brauche. Auf meine Frage hin, welche Anforderungen ich erfüllen und welche Unterlagen ich mitbringen müsste, hieß es, ich solle einfach vorbeikommen und mir den Stempel abholen.

Und jetzt sitze ich hier und überlege, wo der Haken an der Sache ist. Bei zu vielen anderen Gelegenheiten habe ich gelernt, dass es selten so einfach und umkompliziert ist, das wäre meist einfach zu schön, um wahr zu sein.
Dann lasse ich mich morgen einfach mal überraschen, gerne auch positiv…

Nachtrag (23.08.):
So schnell war ich noch nie in der Uni und wieder draußen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Im Zweiten läuft gerade ein Bericht über die geplanten Studiengebühren in NRW. Eigentlich wollte ich zu dem Thema wirklich nichts schreiben, weil mich das alles zu sehr aufregt, aber dieser Bericht ist wirklich zu schön.

So geht es unter anderem darum, inwiefern die Einnahmen aus den Studiengebühren genutzt werden (würden), um die Qualität der Lehre zu verbessern. Dazu der Rektor der Ruhr-Uni Bochum: Wenn überhaupt, dann würden die Studiengebühren dazu dienen, die derzeitigen Bedingungen zu halten.

Und die derzeitigen Bedingungen sind natürlich jeden Cent wert. Auf jeden Fall. Darf man auch freiwillig zahlen, wenn man sich bis dahin schon exmatrikuliert hat? Das verdient doch Unterstützung, also wirklich.

Ich frage mich nur, was dann ohne Studiengebühren wäre. Wirklich verschlechtern könnten sich die Bedingungen doch auch kaum noch…